Gestern
Gestern habe ich noch gelacht,
hab mir nichts aus nichts gemacht.
War in mich verliebt, versessen,
hab die Welt um mich vergessen.
Ego sum, ich bin allein.
Mir scheißegal, wenn andre schrei´n.
Mit denen hab ich nichts am Hut.
Mir doch egal, denn mir geht´s gut.
Gestern hab ich dann geträumt,
ich hätt´ das Leben voll versäumt.
Ein Engel flüstert mir ins Ohr:
Pass auf, sei wach und sieh dich vor.
Du, Freund, bist nicht für dich allein,
musst Teil des großen Ganzen sein.
Hör auf, nur dich für dich zu sehen.
Lern schnell, für andre einzustehn.
Lass ihn reden, zischt mein Ich.
Doch in mir tobt es fürchterlich.
Verzweiflung, Angst und enges Herz,
unerträglich nackter Schmerz.
Ist Sinn und Zweck in meinem Leben?
Wer und was kann Richtung geben?
"Denk dich kleiner als du bist, "
spricht da der Engel voller List.
Ich schrumpfe schnell, werde zum Gnom
und fühle gleich den Spott und Hohn,
der Kleines stets und streng verachtet,
weil er nur das Große achtet.
"Werde zur Taube, flieg hoch hinauf; "
dort seh ich winzig und zuhauf
Milliarden Menschen wild und kriechend,
gierig, geizig, grausam siechend,
Kriege kriegen nicht genug,
gehören sich selbst, sind Selbstbetrug.
Ich wache auf, es ist Advent.
Gott lob, die erste Kerze brennt.
Bringt Licht und Hoffnung, hellen Schein,
ab heute kann es anders sein,
wenn ich nur will, wenn ich nur mache,
die Welt um mich nicht mehr verlache.
Für meinen Freund Klaus Dobmaier
Wo du bist
Wo du bist ist Zeit kein Wort,
wo du jetzt bist an jenem Ort.
Da ist das Gestern Heute, Morgen
sorgsam in sich selbst verborgen
Dein Platz bei uns im Hier und Jetzt
ist Menschen leer, und doch besetzt.
Dein Sein war nur ein Wimpernschlag
den keiner je vermissen mag.
Hast dich selbst und uns ertragen
auch unseren warum nur Fragen
Unsern Blicken hieltst du stand
dein Herz schon dort im Nirgendland.
Doch deine Augen zeigten klar,
wo deine neue Zukunft war.
… du bist voraus, bist nicht gegangen
… wir sinds, wir bleiben hier gefangen.
Du kannst es längst vor uns erkennen
was wir voll Furcht „das Danach“ nennen.
Du bist jetzt Teil des Übermorgen,
dem Ohneort ganz ohne Sorgen.
Du glaubtest eher an das Nichts,
jetzt bist du selber Teil des Lichts,
bist Energie, bist Macht und Kraft,
die alles aus sich selbst erschafft.
Von Dir sind wir nur ausgeborgt
und dennoch lebenslag versorgt.
Und wenn einst unsre Zeit verrinnt,
der Lebensdocht erlischt, verglimmt,
wird sich unser Geist verbinden
geliebte Freunde wiederfinden
Und warst du auch ein Wimpernschlag
Du bleibst in uns an jedem Tag